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By Han Shan

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Never Knowing - Endlose Angst. Thriller

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Armut heißt er- man nennt ihn Elend 39 Im Abenddämmer spielt eine Mädchenschar Der Wind trägt ihren Duft über die ganze Straße Röcke geschürzt mit goldenen Schmetterlingsbroschen Jadene Mandarinenten auf ihren Haarnadeln Die Kammerzofen sind gehüllt in rote Seide Mit purpurnem Brokat gekleidet die Eunuchen Alle gaffen mich an, der ich den Weg verlor Ein Mann mit weißen Schläfen und ruhelosem Sinn 40 Der Jahreszeiten Wandel rastet nie Ein Jahr geht hin und ein Jahr kommt Es gibt für alle Lebewesen Blüte und Vegehen Die Neun Himmel allein kennen keinen Verfall Wird es im Osten hell wartet im Westen schon die Dunkelheit Die Blüten fallen- neue Blüten brechen auf Allein die zu den Gelben Quellen reisen Gehen in tiefe Dunkelheit und kehren nicht zurück 41 Warum nur bin ich immer so verzweifelt?

Auf einer Felsplatte sitze ich einsam in der Nacht Während der Vollmond aufsteigt am Han Shan 50 Es lebt der Mensch in Dunkelheit und Staub So wie ein Käfer der im Krug gefangen Krabbelt den ganzen Tag im Kreis im Kreis Doch entflieht er diesem Krug nicht! Nie kann den Unsterblichen er sich zugesellen Denn seine Leidenschaften sind unendlich Monate, Jahre verströmen wie ein Fluß Ein Augenblick nur und er ist ein alter Mann 51 Die reichen Leute haben viele Sorgen Sie machen nur Geschäfte, wissen nichts dankbar anzunehmen Wenn auch der Reis in ihrem Kornspeichern schon fault Leihen sie doch an niemand einen Schaffel aus Ihre Gedanken kreisen ständig um Profit Aus billig eingekaufter Seide machen sie "Erste Ware" Doch dann an ihrem Todestag Kommen nur Fliegen kondolieren 52 Ein Bauernhof mit großen Maulbeergärten Die Stallungen voll Ochsen und voll Kälber Wem solches zufällt, der sollte doch an Karma glauben Voll Eigensinn jedoch verderben sie's von früh bis spätIn einem Augenblick geht alles in die Brüche Und ist erst aller Lebensunterhalt verpfändet In Hosen aus Papier, mit einem Dachziegel als Lendenschurz Verhungern und erfrieren sie am Ende 53 Ein Gast bekrittelte den Meister vom Han Shan: In deinen Versen fehlen die Rechten Grundsätze Las ich doch bei den Weisen des Altertums Daß sie sich ihrer Armut niemals schämtenIch mußte über seine Worte lachen: Geschwollene Reden führen ist wohl leicht Doch möcht ich dich in meiner heugen Lage sehn Wie wichtig dann die Groschen für dich wären 54 Vier oder fünf halbstarke Schwachköpfe Nichts was sie tun ist wahr und aufrichtig Haben noch keine zehn Schriften studiert Doch mit kritischem Pinsel sind sie schnell bei der Hand Sie nehmen den "Lebenswandel des Gelehrten" Und nennen es einen Räuberkodex Sind dabei "selbstlos" wie der Bücherwurm Der anderer Leute Folianten zerfrißt 55 Han Shan- so finster und geheimnisvoll Wer ihn besteigt tut es in Angst und Schrecken Im Mondlich tiefer Wasser Glitzerglanz Wind fährt durch die Gräser rischelraschel Schneeblüten trägt der dürre Pflaumenbaum Wolken statt Blattwerk in den kahlen Wipfeln Ein Schauer wandelt alles wie mit Geisterhand Den Aufstieg schaffst du nur bei klarem Himmel 56 Mein Heim liegt unterhalb der grünen Klippe Der Hof verwuchert, mag ihn auch nicht mähen Und immer neue Ranken baumeln verschlungen herab Uralte Felsen steilen senkrecht auf Die Affen kommen wilde Beeren pflücken Der Reiher schnappt sich Fische aus dem Teich Mit ein paar Schriftrollen von dem Unsterblichen Sitze ich murmelnd murmelnd unterm Baum 57 Wie wohl uns doch zur Zeit des Chaos war Wir brauchten nicht zu essen, nicht zu pissen Wer suchte uns mit seinem Bohrer heim Um uns mit den neun Löchern zu versehen?

Ich kann ihn kaum ertragen Was soll ich tun? Sagt doch, was soll ich tun? Wirf ab den Körper- kehre heim auf verborgenen Gipfel! 42 Vor dreißig Jahren kam ich auf die Welt Immer auf Wanderschaft, tausendz tehntausend Meilen Reiste vom grasgesäumten Yangtsekiang Bis in den roten Staub des Grenzlandes im Norden Ich braute Elixiere, suchte vergebens nach Unsterblichkeit Studierte Schriften und rezierte die Geschichtswerke Heimgekehrt heute zum Han Shan Bette den Kopf ich auf dem Strom und wasche meine Ohren 43 Erinnerungen an Erlebnisse vergangener Zeiten Von einer Attraktion der Menschenwelt zog ich zur anderen Ich freute mich der Berge, erklomm schwindelnde Höhen Liebte das Wasser und segelte auf tausend Booten Gab Abschiedsfeste manchem Gast im Lauten-Tal Brachte die Zither und spielte auf der Papageien-Insel Wer hätt gedacht, daß ich nun unter diesen Föhren kauere Die Knie umklammert in sausender rauschende Kälte 44 Nach dem Orakel wählte ich einen abgelegnen Wohnort T'ien T'ai- was gäbe es da mehr zu sagen...

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